Geschichte 

Wie Schwaig zur Thomaskirche kam

Der 2. Adventssonntag 1952 war ein großer Tag für die evangelischen Schwaiger. Endlich hatten sie eine richtige Kirche mit Räumen für die Gemeindearbeit. Es war das alte Schloss, das zum Zentrum der Evang.-Luth. Kirchengemeinde geworden war. Damals waren ca. 1900 Schwaiger evangelisch. 15 Jahre später - inzwischen war Malmsbach zur Kirchengemeinde gekommen - waren es 3.508. Dieses rasche Wachstum stellte die Kirchengemeinde vor nur schwer lösbare Probleme. Besonders in der kirchlichen Hochsaison war das Platzangebot absolut ungenügend. Man versuchte das Grundstück gegenüber der Schlosskirche zu bekommen. Leider ließ sich dieser Plan nicht verwirklichen. So kaufte man schließlich 1962 von Johann Deuerlein den Acker am Oberen Röthelweg, auf dem heute die Thomaskirche steht.
Im April 1969 begannen die Bauarbeiten und am 28. März 1971, dem Sonntag Judica wurde die Thomaskirche mit dem Gemeindezentrum eingeweiht. „Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft" (1. Kor. 1,18) ist die Inschrift der größten Glocke und diente auch als Wort für die Predigt an der Einweihung.
Auch der Name „Thomaskirche" war mit Bedacht gewählt worden: Manche meinten, weil viele Schwaiger ungläubig seien! So war es aber nicht. Die damalige Gemeindeleitung wollte damit den Schwaigern keine Gardinenpredigt halten, sondern sie freundlich einladen. Man wollte zum Ausdruck bringen, dass Gott Zweifler und Skeptiker nicht ablehnt, sondern einlädt. Darum Thomaskirche.

Das Herz der Gemeinde

Auf der Suche nach dem wahren Leben sind viele Menschen. Die einen brauchen „action", um zu spüren: Ich lebe. Andere gehen in die Stille, um sich selbst zu finden. Wieder andere haben es aufgegeben und langweilen sich vor dem Fernseher zu Tode.
Wo finde ich Leben?
Was hält unser Leben zusammen? Wo ist das Zentrum? Wo ist die Mitte?

Wer die Schwaiger Thomaskirche aufsucht, erhält als Antwort ein Angebot. Er muss sich nicht lange umsehen: Zentrum ist der Altar mit dem Lichtkreuz darüber. Der Glaube an den dreieinigen Gott, der die Gemeinde zusammenkommen lässt, ist die Mitte.

So wird jeder Besucher unserer Kirche sofort erkennen, was in ihr geschieht;
nämlich Begegnung der Gemeinde mit dem lebendigen Gott. Nun ist unser Gotteshaus noch kein Zeuge einer langen Geschichte von Gottesbegegnungen. Aber unser „Schmuckstück", der Gethsemanealtar (Bild), könnte unendlich viel davon erzählen. Er wurde im 15. Jahrhundert angefertigt. Durch glückliche Umstände kam er in den Besitz unserer Gemeinde, die ja auch erst seit ein paar Jahrzehnten selbstständig existiert. Dieser Altar stand schon in der Schwaiger „Schlosskirche", dem gottesdienstlichen Raum vor der Erbauung der Thomaskirche.

Ungezählten Menschen konnten bei seiner Betrachtung sich gut in die dargestellte Szene hineindenken: Jesus im Garten Gethsemane, voll von Angst vor dem unmittelbar bevorstehenden Martyrium, während seine wenigen Freunde schlafen. Einsam und Gott bittend. Wer kennt solche Situationen in seinem Leben nicht? „Gott, wo bist du?": So fragen wir angesichts aller Greuel in der Welt. Bisweilen scheint es, als habe sich Gott zurückgezogen. Und doch hören Menschen nicht auf, ihn zu suchen. Wir wollen ihm begegnen. Jesus kommt unserem Suchen und Fragen da besonders nahe. Ja, durch ihn begegnen wir Gott. Er bringt uns die Liebe des Vaters - manchmal verborgen, aber doch gegenwärtig. Ich glaube, daß nicht wenige Menschen getröstet von diesem Altar weg nach Hause gingen.

Zwei Taufsteine stehen in der Thomaskirche. Der neue, aus Holz, den wir gegenwärtig nicht benutzen; und der ältere, aus Sandstein, der schon in der Schlosskirche stand und wieder restauriert wurde und an dem heute die Kinder getauft werden. Ich versuche mir beim Betrachten dieses alten Taufsteins vorzustellen, wie viele ganz verschiedene Kinder an ihm getauft worden sind, wie ihr Leben verlaufen ist und ob sie aus der damaligen Begegnung mit Gott heute noch Kraft schöpfen. Ich bin zuweilen überrascht, dass und wie bei Gesprächen am Taufstein Betroffene sich von selber darüber äußern. Am Taufstein ist neues Leben buchstäblich erfahrbar. Da wird gelacht oder auch geschrien. Größere Kinder kommen mit erwartungsvollen Augen, wenn sie dort, wo es bei uns häufig geschieht, gesegnet werden.

Der Glaube kommt aus der Predigt, aus der Begegnung mit Gottes lebendigem Wort. Die Kanzel ist üblicherweise der Ort der Predigt. In der Thomaskirche ist sie einem Zeugenstand nachempfunden. Vor ihr aus bezeugen die Prediger Gott und sein Handeln für uns. Wer davon weiß und ihn erfahren hat, kann nicht schweigen. Er muß die gute Botschaft weitersagen.

Unser menschliches Herz - fröhlich und traurig, gelassen und unruhig, gläubig und zweifelnd - begegnet in unserer Gott: in seinem Wort, in seiner Taufe und in seinem Heiligen Mahl. Sie ist der Ort, wo Menschen ihren Herrn berühren können, wie seinerzeit Thomas den Auferstandenen. Zusammen mit den anderen will ich voll innerer Ruhe von hier nach Hause gehen